#1 Julius von Bismarck
Shownotes
Er peitscht das Meer aus, fängt Blitze ein oder bemalt ganze Landschaften: In spektakulären Aktionen lotet Julius von Bismarck das Verhältnis von uns Menschen zu dem aus, was wir „Natur“ nennen. In seiner aktuellen Ausstellung "Normale Katastrophe" im KunstHausWien thematisiert er in kraftvollen Bildern und extremen Versuchsanordnungen die menschliche (Ohn-)Macht im Angesicht der Klimawende.
In dieser Episode sprechen wir mit Julius über die Anfänge seiner Kunst, seine Erfahrungen mit verschiedensten Kulturen, die außergewöhnlichen Erlebnisse, durch die seine Werke entstanden, seinen Familiennamen und vieles mehr.
Die Ausstellung ist noch bis zum 8. März täglich im KunstHausWien zu sehen.
Mehr Infos: https://www.kunsthauswien.com/de/presse/juliusvonbismarcknormalekatastrophe/
KunstStoffe ist eine Produktion des KunstHausWien.
Moderation & Redaktion: Irene Wolfram Redaktion, Regie & Produktion: Sarah Trepte Podcast-Jingle: Dominic Grünanger Grafik: CinCin
Transkript anzeigen
00:00:00: Das ist der Podcast von Kunsthaus Wien.
00:00:02: Hier sprechen wir mit Künstlerinnen und kreativen Menschen über Kunst, Gesellschaft und alles, was dazwischen liegt.
00:00:14: Unser erster Gast ist Julius von Bismarck.
00:00:16: Seine Ausstellung, normale Katastrophe, die am zehnten September, im Kunsthaus Wien eröffnet, ist eine visuell eindrucksvolle Reise durch Sturm, Feuer und Blitz.
00:00:27: Und stellt die drängende Frage, wie gehen wir eigentlich mit Natur und Krise um?
00:00:31: Julius, schön, dass du da bist.
00:00:33: Vielen Dank für die Einladung.
00:00:34: Du hast Informatik, Kunst und visuelle Kommunikation studiert und interessierst dich aber genauso für Naturwissenschaften wie Physik.
00:00:41: Das klingt nach einer ziemlich spannenden Konstellation.
00:00:44: Sophie Haslinger hatte dich auch als erforschenden Künstler bezeichnet.
00:00:48: Was hat dich letztlich zur Kunst geführt?
00:00:51: Zu Kunst kam ich nicht auf dem direkten Wege, sondern eigentlich eher durch eine Unentschiedenheit.
00:00:57: Ich habe früher gedacht, Künstler... Eigentlich nennt man Künstler nur, wenn sie eigentlich schon gestorben sind.
00:01:02: Ich hatte von Zeitgünstler Kunst nicht so viel Ahnung.
00:01:05: Meine Mutter war Architektin, mein Vater Geologe.
00:01:08: Die haben mich jetzt nicht so an die kontemporäre Kunst herangeführt, dass ich wusste, dass es das überhaupt so richtig gibt.
00:01:14: Ich hatte eher so ein typisches Kunstklischee im Kopf, dass es da irgendwelche alten Malermeister gibt und irgendwelche verrückten, schon gestorbenen Künstler, die jetzt im Nachhinein ganz teuer irgendwie gesammelt werden.
00:01:26: Mehr wusste ich darüber nicht.
00:01:28: Das hat mich nicht interessiert tatsächlich das Klischee, was ich wusste.
00:01:31: Ich habe mich aber sehr als Kind für Botanik interessiert.
00:01:35: Ich habe viel mit Pflanzen rum experimentiert.
00:01:38: Ich habe Graffiti-Künstler, wenn man so will, als Teenager.
00:01:42: Ich habe aber auch viel... ... rumgebastelt, ... ... auch irgendwelche Geräte ausgeschlachtet.
00:01:47: Irgendwie, wenn ich auf der Straße ... ... irgendein Gerät gefunden habe, ... ... habe ich das irgendwie aufgemacht ... ... und habe damit rumgespielt.
00:01:53: Mein Kinderzimmer war eine Werkstatt, ... ... eigentlich ein fälliges Chaos ... ... aus irgendwie kaputten Sachen, ... ... die ich irgendwie neu zusammengebaut habe.
00:02:00: Und als ich dann studieren wollte, ... ... wusste ich erst mal nicht, was mache ich jetzt.
00:02:05: Ich habe dann erst mal Informatik studiert, ... ... weil ich zu der Zeitpunkt schon irgendwie ... ... eine Webdesign-Firma gegründet hatte, ... ... mit Sechzehn.
00:02:12: Genau, ich habe damals ... angebaut.
00:02:13: Das war damals noch illegal und habe eine Sammlung gehabt aus sicher aktiven Pflanzen und habe eben Geld verdient als Web-Designer.
00:02:22: Das war damals noch irgendwie ein Beruf, aber als Teenager während ich in der Schule war.
00:02:26: Und irgendwie habe ich gemerkt, mir fallen diese technischen Sachen sehr leicht.
00:02:30: Ich habe mir das Programmierend selbst beigebracht.
00:02:31: Ich hatte aber auch eine komische Mischung aus Interessen, also so ein starkes visuelles Interesse, aber auch das botanische und irgendwie auch das unternehmerische fand ich auch spannend.
00:02:41: Und was studiert man da?
00:02:42: Das ist ja erstmal wirklich nicht so einfach die Entscheidung.
00:02:45: Ich dachte, ach zu dem selbst erlernten Programmierskills, will jetzt mal ein bisschen was Richtiges lernen, habe dann angefangen Informatik zu studieren.
00:02:52: Ich habe gemerkt, dass mich das gar nicht interessiert, was da geredet war im Studium.
00:02:55: Es war wirklich total langweilig.
00:02:57: Es war nicht wirklich wissenschaftlich, es war aber auch nicht wirklich praktisch nutzbar.
00:03:01: Hat mich nicht interessiert.
00:03:02: Dann habe ich visuelle Kommunikation angefangen an der UDK Berlin.
00:03:07: Das war interessanter.
00:03:08: Da hat man irgendwie mehr rum experimentieren können.
00:03:11: hat tatsächlich auch noch mal mehr Programmieren gelernt, verschiedene Kurse.
00:03:15: Ich konnte dann in die Filmrichtung gehen, habe dann ein bisschen Film studiert, habe da wirklich ganz viel meiner Skills gelernt, die später eigentlich bis jetzt benutze und habe da sozusagen in alle Richtungen experimentieren können.
00:03:28: War perfekt für mich.
00:03:29: Ich konnte allen Interessen nachgehen und habe dann später gemerkt, also von daher hätte man auch noch eine wissenschaftliche Richtung weitergehen können oder ... Auch die Unternehmerische, also viele meiner Studienkollegen, haben heute Firmen, die ich damals hatte oder arbeiten für Firmen.
00:03:46: Ich habe dann irgendwann gemerkt, ich kriege das alles nicht so richtig unter einen Hut, außer ich nenn es Kunst.
00:03:51: Und das habe ich auch ein bisschen entschlossen, nachdem ich einen Austauschjahr gemacht habe in New York an der Uni.
00:03:57: Und dann haben die mich da gefragt, welches Fach ich denn bin.
00:04:00: Da habe ich Kunst gesagt, obwohl ich eigentlich gar nicht wirklich aus der Kunst kam.
00:04:03: Dann da in New York am Hunter College in Jarl an Kunst studiert.
00:04:06: Und dann habe ich mich gemerkt, ja, das passt für alles, was man irgendwie machen kann, ganz gut.
00:04:13: Und dann habe ich irgendwie unter diesem Deckmantel weitergearbeitet und habe irgendwann gesagt, ja, ich nenne mich jetzt einfach Künstler.
00:04:19: weil es besser passt als alle anderen Kategorien, die mir einfallen.
00:04:23: Also Natur und Technik und auch das bisschen Tüfteln dahinter hat dich eigentlich dein Leben lang begleitet, so wie ich das verstehe.
00:04:30: Du hast doch mal gesagt, dass Natur ein Konstrukt ist.
00:04:34: Wie genau hast du das gemeint?
00:04:35: Ja, also ich meine das nicht nur und ich sage, Natur ist ein Konstrukt.
00:04:40: Ich glaube nicht, dass Tiere über Natur nachdenken oder das Universum.
00:04:45: Das sind wir.
00:04:46: Das ist eine menschliche Erfindung, die wir verwenden, um uns selbst zu trennen von dem, was wir Natur nennen.
00:04:52: Das hat verschiedene Herkünfte, wo diese Trennung herkommt.
00:04:56: Die gibt es nicht überall.
00:04:57: Ich glaube, die hat etwas mit der christlichen Vergangenheit von Europa zu tun.
00:05:02: Es ist eine wissenschaftliche Arbeit an sich, das rauszufinden, wo das eigentlich entstanden ist, dieses Wort Natur.
00:05:07: Das probiere ich aber eher visuell herauszufinden.
00:05:10: Also nicht indem ich irgendwie Geschichtsforschung betreibe und Naturkonstruktion in der Bibel versus dem Koran mir angucke, sondern ich probiere das eher über Bilder rauszufinden.
00:05:22: Und ja, es ist eine Konstruktion.
00:05:24: Die Natur ist eine menschliche Erfindung.
00:05:27: Und versuchst du in deinen Werken das zu dekonstruieren?
00:05:31: Ich glaube, Erst mal denken, die meisten Leute Realität gibt's, die ist so wie sie ist und die ist nicht antastbar.
00:05:39: Das ist eine Wahrheit.
00:05:41: und dann gibt's eine Unwahrheit.
00:05:42: Und es gibt die Natur und es gibt den Menschen und das ist bei den meisten Leuten sehr, sehr eingebrannt eigentlich in ihre Wahrnehmung, dass das so ist.
00:05:50: Wenn man dann Philosophie liest, dann merkt man irgendwann ja gut, eigentlich ist es ja schon ein bisschen komplizierter als das, aber man fühlt trotzdem noch... Ich sehe das doch.
00:05:58: zum Beispiel, wenn man sich irgendwas anguckt und es ist ja so real, was ich da sehe, das kann ja gar nicht real sein.
00:06:05: Also gibt es doch eine Realität, sonst würde ich es ja nicht sehen.
00:06:08: Man geht davon aus, dass andere Menschen genau das Gleiche sehen.
00:06:11: Aber da hört es schon auf, ich glaube, verschiedene Menschen sehen was ganz anderes, wenn sie das selber angucken und ein Baum anfängt auch eine andere Meinung.
00:06:19: über dieselbe Sache und oder ein Tier oder die Atmosphäre oder der Stein.
00:06:24: Also es gibt sehr viel verschiedene Perspektiven auf eine dieselbe Sache und deswegen ist eigentlich das was wir Realität nennen oder Natur nennen eigentlich eine Konstruktion und damit ist es auch eine politische Aussage oder ein Machtwerkzeug.
00:06:41: Also Realität zu dominieren oder zu erzeugen oder die Deutung von Natur zu besetzen, zu entscheiden, was ist Natur, ist eigentlich ein menschliches Machtwerkzeug und kommt vor allem aus einer europäischen Linie.
00:06:54: Also Europa hat zuerst die Welt erklärt und wir beanspruchen es eigentlich für uns zu erklären, wie die Welt funktioniert und das ist eine Machtausübung.
00:07:04: Du gehst in deinen Arbeiten ja auch immer wieder in die Communities vor Ort.
00:07:07: Also du bist ja auch viel unterwegs, suchst dir genau die Orte aus, an denen du zum Beispiel mit Blitzen arbeitest, mit Wetterphänomen arbeitest.
00:07:16: Du gehst sehr auch in das Körperliche hinein, also das ist eine sehr stark physische Ausprägung in deinen Prozessen zu arbeiten.
00:07:23: Wie erlebst du die Arbeit mit diesen Communities?
00:07:25: In ganz unterschiedlicher Weise nehmen die dich offen auf, sind die vielleicht auch skeptisch.
00:07:29: Wie gehst du daran und wie lang arbeitest du auch an deinen Projekten?
00:07:34: Also die, wie du richtig sagst, die Arbeit mit Menschen vor Ort ist für mich sehr wichtig, weil ich glaube nur über die direkte Zusammenarbeit mit Menschen, die aus dem Inneren eine sehr andere Realität als ich aufgewachsen sind, kann ich andere Perspektiven lernen.
00:07:50: oder verstehen.
00:07:51: Viele Leute negen dazu, ihr konstruiertes Bild, egal wie links oder rechts, oder tiefgründig, intellektuell ist, auch sei.
00:07:58: Es ist immer eigentlich eine arrogante Idee von, ich weiß es besser als andere.
00:08:03: Das geht durch alle politischen Richtungen, es ist eigentlich egal.
00:08:06: Das denkt der Philosoph, das denkt der Politiker und das denkt auch... der Bauarbeiter, dass sie ein bisschen besser wissen als der Rest der Welt, wie die Welt eigentlich funktioniert.
00:08:17: Und da kommt man eigentlich nur raus, wenn man wirklich mal an andere Orte geht, die ganz anders sind und ganz offen mit den Leuten redet.
00:08:26: Und Tourismus funktioniert leider nicht dafür, weil da wird einem eine Welt vorgespielt, da wird einem irgendwas vorgespielt.
00:08:33: was das Ziel hat, dass man Geld dafür bezahlt.
00:08:36: Und meistens kommt man halt nur zu Leuten, die eigentlich ihr Lebensunterhalt mit Tourismus verdienen.
00:08:41: Das heißt, rumreisen als Tourist funktioniert nicht, um die Welt zu verstehen.
00:08:45: Ich habe gemerkt, dass mit Leuten zu arbeiten, an was es auch sei, eigentlich sehr viel mehr.
00:08:51: über andere Perspektiven auf die Welt erklärt.
00:08:54: Ich arbeite ja viel wirklich in der Landschaft, wo viel Material bewegt werden muss.
00:08:59: Wenn dann irgendwo auf der Welt, muss erst mal ein Team zusammenstellen.
00:09:02: Und das ist super spannend, dass ich dann den mein künstlerisches Ziel erklären muss.
00:09:07: Und deine Frage war ja, wie offen die Leute dafür sind oder wie schwierig das ist.
00:09:10: Und ja, es ist tatsächlich manchmal einfacher einer Person, die noch nie was von Kunst gehört hat.
00:09:16: die sehr fern ist von der Bildung, die wir hier in Europa kriegen, die gar nicht wissen, was Deutschland ist zum Beispiel.
00:09:23: Diesen manchmal für Kunst doch relativ offen.
00:09:26: Aber Kunst verstehen sie.
00:09:28: Jeder Mensch auf der Welt kennt Kunst, weil es gibt es überall.
00:09:31: In jedem indigenen Volk irgendwo gibt es Kunst.
00:09:34: Und wenn ich denen erkläre, ich bin ein Künstler, dann wissen sie sofort, was ich damit meine.
00:09:39: Und wenn ich sage, ja, ich will gerne hier die Landschaft anmalen, Dann verstehen sie das.
00:09:44: und dann sag ich, warum dann?
00:09:46: Ja, weil ich will gerne herausfinden, was es bedeutet, Landschaft darzustellen.
00:09:51: Und ich glaube, das hat einen Effekt auf die Landschaft und ich will es zurückbringen in die Landschaft und das zeigen.
00:09:56: Dann verstehen die das teilweise besser als vielleicht ein Kunstkritiker hier, der irgendwie sagt, ja, darfst du das denn überhaupt machen in einem Landkind und da einfach irgendwas anmalen.
00:10:06: Das habe ich wirklich, der Anfang habe ich mehrmals gemacht, dass es fast leichter ist, unvereingenommenen Leuten, die nicht.
00:10:13: unsere westliche Schulbildung haben oder auch mediale Voreingenommenheit irgendwie meine Kunst zu erklären.
00:10:18: Und jetzt habe ich ja auch zum Beispiel das Landscape-Painting-Projekt in ganz vielen verschiedenen Kontexten gemacht und jedes Mal mit ganz verschiedenen Menschen, die auch einen verschiedenen Backwand haben, einmal mit Maya zum Beispiel, die wollten, dass ich... Wenn man gefragt, ob die Farbe giftig ist, meine ich so, nein, die ist nicht giftig.
00:10:34: Die habe ich extra selber angemischt, weil ich tatsächlich mir sicher sein wollte, dass die nicht giftig ist.
00:10:39: Bei gekaufter Farbe, selbst wenn Bio draufsteht, weiß der nicht, was drin ist.
00:10:42: Wenn man sich die selber anmischt, dann weiß man es und dann musste ich die Farbe trinken, um den zu beweisen, weil die mir nicht einfach blind vertraut haben, was ich sehr intelligent finde.
00:10:51: Also in Deutschland würde ich jemanden nach einem Nachweis fragen und irgendeinem Norm, dort, wenn es nicht giftig ist, dann trinkt es doch mal, dann habe ich es getrunken.
00:11:00: und damit war das Problem gelöst.
00:11:03: Also da gibt es auch manche Intelligenz, die wir eigentlich verloren haben.
00:11:07: die sehr, sehr spannend ist, eine solche Zusammenarbeit.
00:11:10: Ist doch ein absoluter Vertrauensbeweis, oder?
00:11:12: Also dann auch in der Zusammenarbeit, wenn man...
00:11:14: Genau, also das muss man schon, wenn man zusammenarbeitet, da wird man sich auch sehr nahe teilweise.
00:11:20: Da kann man nicht distanziert sein.
00:11:22: Ich spreche meistens nicht die lokale Sprache.
00:11:24: Das heißt, ich muss schon manchmal eine Person dabei haben, die mir besetzen hilft.
00:11:28: Da habe ich da auch immer mit Leuten, die dann aus der nächsten Stadt kommen, die so nah dran sind wie möglich.
00:11:33: Und das funktioniert irgendwie... Immer ganz gut und irgendwie befreundet man sich immer und oft war danach immer dann schade, dass wir jetzt nicht noch weitermachen können, weil die Leute eigentlich dankbar waren dafür, dass hier irgendwie für meinen Ziel jetzt gearbeitet haben, so absurd es auch sein mag.
00:11:49: Und ich habe, was ich nicht mache, normalerweise ich zahle den Leuten nicht überdurchschnittlich viel.
00:11:54: Weil das oft ein Fehler ist, weil dann machen Leute alles, nur um das Geld zu kriegen.
00:11:59: Das spricht sich rum und dann irgendwann hat man tausende Leute da, die denken, man ist so eine Geldquelle.
00:12:03: Das heißt, ich habe eigentlich immer mit lokalen Leuten zusammengearbeitet, die so ein bisschen die Situation kennen und ich habe denen die Löhne aushandeln lassen.
00:12:11: Die können ein bisschen mehr verdienen.
00:12:13: Aber nicht viel mehr so, dass sie für mich arbeiten nicht blind fürs Geld, sondern irgendwie auch, weil ihnen das liegt.
00:12:22: Und ich habe versucht, Leute zu finden, die da auch Spaß dran haben.
00:12:25: Und ich wollte nicht sozusagen die lokale, die lokalen Arbeitsmarkt für einen Haufen schmeißen.
00:12:30: Sondern ich wollte wirklich mit Leuten arbeiten, die Spaß haben daran, das zu machen und halt dafür ehrliches Geld verdienen.
00:12:37: Ich hab vorher schon erwähnt, du begibst dich ja teilweise wirklich körperlich in sehr gefährlichen Situationen auch.
00:12:42: Auch da ist es wahrscheinlich auch immer eine Herausforderung, Personen zu finden, die das auch mit dir mitmachen.
00:12:47: Also als Beispiel.
00:12:49: In Irland bist du in einem Sturm gefahren, um eine Welle zu dokumentieren.
00:12:52: Du hast erwähnt, dass das gar nicht so einfacher jemanden zu finden, der das mitmacht.
00:12:56: Braucht doch ein bisschen eine Verrücktheit, einen Mut, einen Wagemut, das durchzustehen.
00:13:00: Und da gibt's manchmal Momente, wo du dir gedacht hast, okay, so mach ich das jetzt nicht mehr.
00:13:06: Das war fast schon zu gefährlich.
00:13:09: Oder ist es etwas, wo du sagst, das gehört einfach zu den Prozesten zu?
00:13:12: Und ich habe eigentlich dieses Grundvertrauen, dass das funktioniert.
00:13:15: Ja, ich war oft in Situationen, die man als gefährlich bezeichnen könnte, die aber eigentlich nur dann gefährlich werden, wenn man anfängt, dumm und leicht zu nichts zu handeln.
00:13:25: Ich habe immer probiert, das nicht zu tun.
00:13:27: Und auch in einer vermeintlichen Gefahrensituation kann man ja ... doch auch sicher sich bewegen.
00:13:33: Also das ist ja der Job der Feuerwehr zum Beispiel.
00:13:35: Die arbeiten permanent in diesen Gefahrensituationen und trotzdem passiert selten was.
00:13:41: Und wenn dann wirklich ein Feuer so gewalttätig wird, dass sogar die Feuerwehr um ihr Leben kämpft, also in Ort will ich auch nicht sein.
00:13:49: Also ich habe kein Interesse, mein Leben zu riskieren.
00:13:53: Darum geht es nicht.
00:13:54: Ich sehe meine Kurs nicht als Extremsport.
00:13:56: Ich finde auch Extremsport überhaupt nicht interessant.
00:13:58: Das ist wirklich eine Forschungsarbeit für mich und ich muss nah dran an das, was passiert.
00:14:05: Da muss man gewisse Risiken eingehen, aber nicht, dass es keinen Leicht sind.
00:14:09: Und ja, ich habe schon mal auch Situation erlebt, wo ich danach dachte, da bin ich jetzt eine Schritt zu weit gegangen.
00:14:16: Das ging jetzt zwar glimflig aus, aber das will ich nie wieder erleben.
00:14:21: Du arbeitest doch auch sehr lang an deinen Werken und so, wie ich verstanden habe, ist es doch ein Prozess, der auch Jahre dauern kann.
00:14:27: Also Thema Talking to Thunder ist zum Beispiel auch in einem jahrelangen Prozess entstanden, diese Werkserie.
00:14:34: Hast du ein Konzept dahinter oder entsteht das endgültige Werk innerhalb dieser Jahre?
00:14:40: Oder weißt du von Anfang an, ich weiß, es wird eine Fotoserie oder ich weiß, es wird ein Video oder ich weiß, es wird eine Art Installation oder kommt das erst langsam im Arbeiten heraus?
00:14:50: generell arbeite ich auf verschiedene Artenweisen.
00:14:53: Es gibt nicht einen Standard-Reingehensweise, die ich verwende, aber es gibt typische Reingehensweisen, die ich schon öfters verwendet habe.
00:15:02: Also manchmal gibt es wirklich eine radikale Idee, aber ganz viele ungeklärte Nebenfragen.
00:15:08: Zum Beispiel bei dem Blitz, weil ich wollte einen Blitz auslösen.
00:15:12: Das stand als Idee fest.
00:15:14: Alles andere war völlig offen.
00:15:15: Wo ich das mache, den innerlichsten Background.
00:15:18: Deswegen habe ich auch Jahre erst.
00:15:19: inhaltlich recherchiert.
00:15:20: Ich wusste, ich muss diesen Blitznachkommen.
00:15:22: Aber wie dieses Nachkommen aussehen wird, zu welchen Bedingungen, mit welchem Team, ob ich daraus ein Film mache oder ein Foto oder ob ich nachher eine Skulptur daraus mache, das war alles noch völlig offen.
00:15:36: Das heißt, da ist dann ganz viel entstanden in der Recherche auf dem Weg.
00:15:40: Bei meiner Arbeit mit dem Feuer zum Beispiel, da hatte ich gar nichts im Kopf.
00:15:45: Da wollte ich einfach nur das Phänomen Waldbrand erforschen, komplett ergebnisoffen.
00:15:50: Und da habe ich dann halt mehrere visuelle Arbeiten draus entwickelt.
00:15:54: Und das ist ein gutes Beispiel für eine komplett ergebnisoffene Sache.
00:15:57: Ich habe ja auch technische Arbeiten, die sehr, wo eigentlich die ganze Umsetzung eigentlich alles Ingenieursleistungen senden.
00:16:03: Und zum Beispiel haben wir mal probiert oder es auch geschafft.
00:16:06: Ein Tesserakt ist ein vier-dimensionaler Kubus als dreidimensionale Projektion mechanisch umzusetzen, der sich umkrempeln kann.
00:16:15: In drei Dimensionen umkrempeln entspricht bei einem Kubus einer Rotation in der vierten Raumdimension.
00:16:21: Kann man sich nicht vorstellen, das ist... der Grund, warum ich es machen wollte, weil man sich eben nicht vorstellen kann, eine Skulptur, die uns unsere Grenze, unseres Vorstellungsvermögens vor Augen führen soll.
00:16:30: Und das ist zum Beispiel jahrelange Ingenieursarbeit.
00:16:33: Und da weiß ich ganz genau, wo ich hin will.
00:16:36: Und da sind halt unendlich viele kleine Ingenieursfragen noch offen.
00:16:38: Da müssen viele kleine technischen Erfindungen passieren, um da hinzukommen.
00:16:42: Aber das ist ja wieder eine ganz andere Art von Arbeit.
00:16:44: Da war mit man Technologie und auch mit Menschen, aber das sind halt Ingenieure, mit denen man arbeitet im Büro in Berlin und in den Werkstätten.
00:16:51: Und das ist, ja.
00:16:52: Das ist ein sehr anderes Arbeiten.
00:16:53: Was fasziniert dich an den Element Feuer?
00:16:55: Also was bedeutet Feuer für dich?
00:16:57: Also es hatte doch was Magisches, aber auch was sehr gefährliches, aber auch was Erneuendes.
00:17:01: Also Feuer hatte sehr viele Eigenschaften.
00:17:03: Alle Eigenschaften sind in der Ausstellung auch ein bisschen zu spüren und zu sehen.
00:17:07: Was war da deine Herangehensweise?
00:17:08: Was fasziniert dich an diesem Element?
00:17:10: Das hast du ja schon ganz schön gesagt.
00:17:12: Also Feuer hat all diese Eigenschaften.
00:17:14: Es hat auch noch eine hypnotisierende Eigenschaft.
00:17:16: Wenn man reinstarrt, ist es auch sehr stark politisiert.
00:17:19: Es löst bei vielen Leuten Angst aus.
00:17:21: auch eine andere Aufwohllichkeit.
00:17:23: Also am Lagerfeuer fühlt man sich wohl.
00:17:25: Ich probiere alle diese Aspekte miteinander.
00:17:28: zu verbinden, teilweise.
00:17:30: Ich finde alles daran spannend, warum ich eine gewisse Schwäche fürs Feuer habe.
00:17:34: Ich glaube, als Kind, wir haben alles, dein Häuschen in den Alpen, das ist so eine zweite Heimat für mich eigentlich.
00:17:42: Und da kann man nur mit Feuer heizen.
00:17:44: Und da habe ich als Kind auch immer sehr viel Zeit verbracht und ins Feuer gestarrt.
00:17:48: Ich bin aufgewachsen, solle ich ihn als Kind auch da am Wochenende geben, eigentlich immer in die Wüste.
00:17:53: Und auch da macht man ein Feuer.
00:17:54: Das ist... Ja, früher haben das ja alle Menschen immer überall gemacht.
00:17:57: Feuer ist ja wirklich so ein sozialer Mittelpunkt auch gewesen.
00:18:00: Das benutzt man zum Heizen, aber auch zum Essen, Garen.
00:18:03: Ich glaube, das ist auch wirklich in den menschlichen Genen mit mit eingebacken, dass das Feuer irgendwie eine gewisse, eine wichtige Funktion hat.
00:18:10: Und das haben wir ein bisschen verloren.
00:18:12: Und als irgendwie Waldbrände in den Medien immer wichtiger wurden und immer mehr politisiert wurden, habe ich gesagt, okay, ich muss eigentlich irgendwie dieses alte Lagerfeuer, was in unseren Genen drin steckt, zusammenbringen mit diesem Waldbrand.
00:18:24: Und ich habe viele Sachen herausgefunden, dass ja, also auch die Feuerwehrleute nicht weggucken können, auch die starren ins Feuer und sind hypnotisiert von der Energie.
00:18:33: Und da kann man nicht dran vorbeikucken, dass es nach wie vor was Magisches für uns, also auf der Bildebene, auf der tiefen psychologischen Ebene, dann gibt es natürlich noch die ganze intellektuelle Ebene, die super spannend ist.
00:18:44: Also Feuer als irgendwie wichtigste kulturelle Erfindung von Menschen.
00:18:48: Es gibt manche Leute, Stephen Pines zum Beispiel, der auch einen Text für mein Buch geschrieben hat.
00:18:52: Der sagt, eigentlich leben wir nicht im Antroprozzenen, sondern eigentlich im Feuerzeitalter.
00:18:59: Weil die Allerne Existenz des Menschen ist nicht dafür dark genug, um zu sagen, wir nennen jetzt das Zeitalter danach, ist ne geologische Zeitalter.
00:19:07: Man sagt, okay, welche Kraft hat diese geologische Phase des Planeten dominiert?
00:19:12: Und das waren ja bisher eher geologische Kräfte, die aber auch mit den geologischen Zusammenhängen.
00:19:17: Und eigentlich ist die Existenz von Menschen nicht ausreichend.
00:19:20: Eigentlich ist die Erfindung des Feuers der wichtige Punkt, der uns ermöglicht hat, die Welt so stark zu verändern.
00:19:28: dass es eine geologische Dimension geworden ist und auch in tausenden von Jahren, in Millionen von Jahren sichtbar sein wird in der Archäologie, dass wir einen Effekt gehabt haben, aber es war eigentlich eher das Feuer.
00:19:39: Was man heutzutage vielleicht nicht mehr als Lagerfeuer kennt, ist nicht mehr sichtbar, sondern es passiert, in einem Verbrennungsmotor versteckt ist im Kohlekraftwerk, im Gaskraftwerk.
00:19:50: Unsichtbar sind die Feuer immer noch, die dafür sorgen, dass unsere Atmosphäre sich verändert.
00:19:54: Auf der einen Seite ist in der Ausstellung das Thema Feuer und der Anfang sei sichtbar, also Flammen auch sichtbar.
00:20:00: Auf der anderen Seite gibt es aber auch eine ganz junge Werkserie von dir aus dem heurigen Jahr, aus LA, wo Feuer in deren Sicht nicht... mehr Sicht bei uns, sondern die Spuren hinterlassen hat.
00:20:10: Was er sich dazu bewegt, genau zu diesem Zeitpunkt eben nach LA, nach Kalifornien zu gehen, um diese Spuren, diese Waldbrände zu dokumentieren.
00:20:20: Ja, also auf Englisch heißt es Wildfire und nicht Waldbrand, was eigentlich ein etwas besseres Begriff ist, weil das Wort Stadtbrand gibt es bei uns nicht.
00:20:29: Wildfire beschreibt eigentlich besser als ein wildes Feuer, was nicht gezähmt ist und das kann von Baum zu Baum gehen, aber eben auch von Haus zu Haus.
00:20:39: Ich wollte eigentlich erst nicht hingehen, weil diese politisierte, übermedialisierte Phänomen des Brandes in der Nähe war mir zu heiß, zu überdramatisiert.
00:20:49: Da ist dann, finde ich, kein Platz mehr für Kunst.
00:20:51: Kunst braucht ein bisschen Ruhe oder die Kunst, die ich mache.
00:20:53: Aber als dann die erste große Medienpanik datte ich doch, okay, ich muss dahin, mit all der Recherche, die ich davor gemacht hatte und allen Waldbränden, denen ich gewesen bin, ich kann jetzt nicht, nicht mir das angucken, was durchgewachsen ist.
00:21:08: ist von diesen Stadtteilen.
00:21:09: Und auch mit meiner Erfahrung, mit der Zusammenarbeit mit der Feuerwehr und der Polizei habe ich es dann auch geschafft, da Zugang zu kriegen.
00:21:17: Das war relativ einfach und die waren sehr streng.
00:21:20: Also niemand anders durfte da rein, nur akkreditierte Presse.
00:21:23: Und die war halt nicht mehr da, weil die hatten ja schon ihre Drama-Bilder.
00:21:27: Und ich war da in einer Zeit wirklich genau nach den Brennen, wo noch nichts angefasst war.
00:21:32: Alles war noch im Originalzustand, weil die Anwohner ja auch Zeit brauchten, um durch ihr Harbourn gut zu gehen und nach Sachen zu suchen, die übrig geblieben sind, vielleicht, die sie noch retten wollen.
00:21:41: Und die ersten Tage, wo ich da war, habe ich hauptsächlich erst mal mit diesen Leuten geredet, aber die mich angesprochen, nicht ich, die.
00:21:48: Und die waren sehr dankbar dafür, dass ich da war.
00:21:51: Und manchmal haben die einfach nur jemand zum Reden gebraucht.
00:21:53: Manchmal haben wir mich eingeladen und haben mir Sachen gezeigt.
00:21:57: Die nix gefragt, eigentlich haben die losgeredet.
00:22:00: Manchmal muss ich einfach nur zuhören.
00:22:01: Manchmal ging es auch einen halben Tag, dass ich jemanden zuhören musste, weil einer mit der botanischen Sammlung hat mir seine ganze Sammlung gezeigt, hat mir alles beschrieben, was er alles verloren hat.
00:22:11: Und er braucht, glaube ich, jemanden, mit dem er alles einmal durchsprecht, was er alles verloren hat.
00:22:15: Und ein paar Sachen konnten wir noch ausbuddeln und sagen, okay, der Wurzeln hier, die sind doch wahrscheinlich in der Lage nochmal auszutreiben.
00:22:20: Aber eigentlich war das eine Seremonie.
00:22:22: die ich mit ihm gemacht habe, um alle Sachen, die gestorben sind, einmal durchzusprechen.
00:22:27: Das habe ich mir nicht ausgesucht.
00:22:28: Ich bin einfach dahin gegangen und das ist passiert.
00:22:29: Und das war für mich wahnsinnig ... Ja, gefühlsmäßig intensiv das zu machen.
00:22:34: Und zwischendurch habe ich dann Sachen fotografiert.
00:22:37: Andere Leute kamen aber nur zu mir und meinte, ja, du musst das hier fotografieren, du musst das hier fotografieren.
00:22:41: Guck mal hier, da meine, meine, vom Auto sind nur die geschmolzen Felgen übrig.
00:22:45: Oder hier die Buddha-Statur, die ich hatte, hat sie überlebt, der Rest ist weg.
00:22:48: Und dann halt so ganz gerührt und wollten, das ist ein Fotograf irgendwie festhält.
00:22:51: Die haben mich gesehen mit einer Kamera und dachte, oh, das ist ein Fotograf.
00:22:54: Eine andere Frau hat sich nicht getraut, die in ihr eigenes Haus rein zu gehen, weil sie sich so Angst hatte, sie sich wehtut und wollte aber ihren Verlubbungs- Ring finden.
00:23:02: Sie hat uns im Hilfe gebeten ihr mir dann geholfen in Ring zu finden und irgendwie ist man dann natürlich betroffen.
00:23:09: und in dieser Betroffenheit habe ich dann irgendwie probiert einfach aus dem Bauch heraus zu fotografieren.
00:23:15: Was genau, es ging nicht eigentlich um die Betroffenheit.
00:23:18: Ich glaube Betroffenheit ist irgendwie allen klar.
00:23:19: Wenn man sein Haus verliert, dann ist das irgendwie blöd.
00:23:22: Was ist da vielleicht noch anderes außer diese Betroffenheit?
00:23:25: Was bedeutet es, wenn ein Haus abrennt?
00:23:28: Was kann man daraus vielleicht sehen?
00:23:29: Was kann man daraus lernen?
00:23:30: Was wird plötzlich offenbar?
00:23:32: Was sonst versteckt ist?
00:23:34: Was zeigen die Massenmedien nicht?
00:23:36: Was bleibt übrig, nachdem beide politischen Seiten das politische ausgeschlachtet haben?
00:23:41: Und ich sage ja, vielleicht muss ich da jetzt doch durchlaufen und mir das alles angucken und viele Fotos machen, weil danach ist es weg.
00:23:51: Also kurz nachdem ich weggefahren bin, haben die alles platt gemacht, alles wurde entsorgt und jetzt sind es nur so Sandgrundstücke, weil das war an der Seite gefahren, das wurde als Gefahr.
00:24:00: gesehen die Asche, weil da Giftstoffe drin waren.
00:24:04: Deswegen wurde alles gesäubert, bevor Menschen wieder rein durften.
00:24:07: Und ich hatte irgendwie ein dringendes Gefühl, ich muss diesen Zustand einmal dokumentieren.
00:24:11: Das Thema Asche bringt mich auch zu einem ganz besonderen Werk, das ja auch Titel geben für diese Serie ist, nämlich The Daily Ocean turned black.
00:24:19: Also die Asche ist ja dann ins Meer und hat auch einen ganz speziellen Effekt ausgelöst.
00:24:24: Wie hast du das erlebt?
00:24:25: Das war gleich am Anfang.
00:24:26: Im zweiten Tag sind wir nach Malibu gefahren und Wir sind erst mal im Strand entlang gelaufen und plötzlich stand ich vor schwarzen Wellen.
00:24:36: Es war der erste Regentag nach der Brandkatastrophe und da wurde so viel Asche, Kohle ins Meer gespült.
00:24:44: Es gab später auch noch Erdrutsche tatsächlich, weil die Hänge destabilisiert waren.
00:24:49: Aber erst mal kamen sehr viel Asche einfach ins Meer und das Wasser wurde so dickflüssig und schwarz.
00:24:55: Und die Wellen, die man normalerweise aus Baywatch kennt, vielleicht noch aus der Kindheit oder aus anderen Filmen, wurden plötzlich schwarz.
00:25:02: Und das hätte man früher vielleicht als Zeichen... Gedeutet.
00:25:07: Für mich war es einfach nur faszinierend.
00:25:09: Ich weiß nicht, was das bedeutet.
00:25:10: Also das frage ich im Prinzip den Besucher der Aufzählung hier, der sich jetzt diese schwarzen Wellen angucken kann und überlegen kann, was das auch für ihn für eine Bedeutung haben könnte.
00:25:19: Es gibt auch noch zwei Wellen, aber eine zweite möchte ich noch mal kurz eingehen.
00:25:24: Das ist am Anfang schon erwähnt, und zwar das Werk Landscape Painting.
00:25:28: Das ist im Jahr zwanzig, dreiundzwanzig entstanden.
00:25:31: Und da geht es auch um das Thema Landschaft.
00:25:33: und vor allem setzt du dich auch ein bisschen mit deinen auseinander, denn dieses bemalte Tuch wurde ja in die sogenannte Bismarcksee gelegt und du hast es dann auch fotografiert und das hat dann ganz eigenes eigene Wildsprache eigentlich angenommen.
00:25:46: und wie gehst du mit Landschaften um?
00:25:48: Ja, das ist ein gutes Beispiel für eine politische Landschaft.
00:25:51: Landschaften haben nicht nur ihre Pflanzen und ihre Tiere oder Lebewesen, die auf ihnen wohnen, sondern die haben ja auch Namen.
00:25:59: Berg heißt Berg, manchmal heißt er auch irgendwie Mount Everest oder manchmal steht auch ein Kreuz obendrauf.
00:26:06: Das ist die Vermenschlichung von diesen Dingen.
00:26:10: wo wir Grenzen ziehen, die wir interpretieren, die wir auch functionalisieren oder instrumentalisieren.
00:26:16: Das heißt, bei meiner Arbeit, ich habe es am Anfang schon ein bisschen erklärt, wie ich Landschaften anmahle, um deutlich zu machen, dass das Abbilden oder Benennen von Natur oder Landschaft oder Umwelt, wie man immer was nennen will, ein Einfluss darauf hat, was man da abbildet.
00:26:32: Also das Abgebildete wird beeinflusst durch die Abbildung und das wieder anmalen.
00:26:36: Und natürlich hat es einen Einfluss gehabt darauf, dass die Bismarcksee umgetauft wurde in Bismarcksee.
00:26:43: Die hieß früher nicht so.
00:26:45: Wie sie mal davor gießen hat, wissen wir gar nicht, weil in der Region so viele verschiedene Sprachen benutzt werden.
00:26:50: Das ist wahrscheinlich sowieso nicht ein... Wort dafür gegeben hat.
00:26:54: Trotzdem steht auf Google und auf allen anderen Atlanten Bismarcksee und Bismarck Archipel und andere deutsche Namen für die einzelnen Inseln.
00:27:02: Teilweise auch andere europäische Kolonialmächter haben auch ihren Namen da verewigt, weil es ist ein bisschen hin und her gegangen.
00:27:08: Er wäre da die vorherrschende Kolonialmacht gewesen ist.
00:27:11: Die Deutschen waren kurz da, so eine sehr kurze, sehr blutige Zeit, sehr traurige Teil der deutschen Geschichte, über die ich nichts gelernt hatte in der Schule, die ich jetzt erst im Nachhinein rausgefunden habe darüber.
00:27:22: durch den Zufall, dass es Bismarck heißt und ich einfach wissen wollte, okay, warum heißt das so?
00:27:26: Warum heißt das so wie ich heiße?
00:27:28: Und ich habe geguckt, was man vielleicht machen müsste, um das umzubenennen, weil es war nur ein sehr kurzer Teil der Geschichte vor Ort.
00:27:35: Da sind sehr viele spannende Sachen passiert und eigentlich ist es schade, dass diese ganze Region nach dieser ganz kurzen deutschen Phase heißt, die wirklich grauenhaft war.
00:27:44: Und ich habe überlegt, was müsste man machen, um Um das umzubenennen, weil ich wollte nicht meinen Namen teilen mit dieser Million, die eine sehr traurige Namensgeschichte hat.
00:27:55: Aber es ist sehr schwierig, das umzubenennen, weil es ein internationales Meer ist, müsste mehrere Staaten, müssten zusammenkommen und die natürlich viel wichtigere Probleme als der Name.
00:28:05: Es ist einfach fort völlig irrelevant.
00:28:07: Also es wäre sehr viel einfacher, dass ich meinen Namen ändere.
00:28:10: Würdest du deinen Namen
00:28:11: ändern wollen?
00:28:12: Ich habe ein bisschen die Chance, meinen Namen zu ändern, verpasst.
00:28:16: Ich hätte am Anfang meiner Kehre einen Künstlernamen annehmen können.
00:28:18: Deine Name Bismarck ist aber auch interessant.
00:28:20: Also ich liebe meine Familie.
00:28:22: Da gibt es sehr viele sehr interessante Charaktere.
00:28:24: Wir teilen sozusagen alle dieses Label, was von einem einen so vor anderem so gesehen wird.
00:28:29: Ich habe auch schon Vorwürfe bekommen, dass ich ja als Bismarck mich nicht mit kolonialen Themen beschäftigen dürfte, weil ich ja Profiteur bin davon.
00:28:38: Aber das ist natürlich eine totale Missverständnis von wie eine Familie irgendwie funktioniert.
00:28:43: Nachher sind sie nur ein Name.
00:28:45: Aber der hat natürlich schon auch einen Schatten.
00:28:47: dieser Name und der positive und negative Assoziation bei vielen Menschen.
00:28:51: In Deutschland gibt es in jeder Stadt viele Bismarckstraßen und Monomente und Plätze.
00:28:56: Der Name Bismarck wurde auch später in der Nazizeit teilweise als Nationalheld, als Gründungsmütter sozusagen verwendet, weil man es gebraucht hat.
00:29:04: Es gibt wirklich etwas zu viele Sachen, die Bismarck heißen.
00:29:07: Und das ist natürlich ein bisschen komisch, den Name auch zu haben.
00:29:10: der von so vielen verschiedenen Seiten irgendwie benutzt wurde und auch jetzt immer noch politisiert wird.
00:29:16: Und manchmal würde ich mir wünschen, ich hätte nicht einen Namen, der von so vielen beackert wird und politisiert wird, weil viele meiner Arbeiten haben damit nichts zu tun und ich will nicht, dass alle meine Arbeiten immer in diesem Kontext gesehen werden.
00:29:28: Aber ja, manche Arbeiten haben ja was damit zu tun.
00:29:31: Stichwort Namen, also die Ausstellung trägt den Titel Normale Katastrophe im englischen Normality Bias als Zusatzbegriff.
00:29:38: Das klingt ja erst mal sehr widersprüchlich.
00:29:40: Was steckt genau hinter diesem Titel?
00:29:42: Ja, ich glaube, das war irgendwie ein guter Titel für die Ausstellung, da sich viele meiner Arbeiten hier mit vermeintlichen Katastrophen beschäftigen.
00:29:50: Ich probiere selber die Katastrophe zu normalisieren.
00:29:54: in ein paar der Arbeiten, in anderen Arbeiten, probiere ich eigentlich das Gegenteil zu machen und unsere Angst vor der Katastrophe zu thematisieren.
00:30:01: Aber der ist das Phänomen, dass wir alles irgendwann als normal wahrnehmen, egal wie katastrophal es am Anfang vielleicht erscheinen mag.
00:30:09: Das steht vielleicht so ein bisschen für die Zeit, in der wir gerade sind.
00:30:13: Also ich bin alt genug, um wirklich einen Unterschied zwischen den letzten zehn Jahren und den zehn Jahren davor und den zehn Jahren davor einschätzen zu können, glaube ich.
00:30:22: Es fällt mir am Anfang schwer, am Leben zu wissen, bin ich jetzt gerade nur in der Phase oder ist die Welt gerade in der anderen Phase?
00:30:28: Ich glaube, dieses Problem hat die Gesellschaft generell, dass man das manchmal nicht weiß.
00:30:32: Und das ist eben genau... das Problem, dass man sich gewöhnt an Zustände, dass man vermeintliche Probleme eher als Massenhistorie wahrnimmt und manchmal sich auf Probleme fokussiert, die vielleicht gar nicht so wichtig sind im Verhältnis zu anderen Sachen, die man übersieht.
00:30:45: Und das hat sich ja extrem verändert in den letzten zwanzig, dreißig Jahren, worauf irgendwie die Gesellschaft sich fokussiert oder was sie gesagt habt, als größtes Problem gerade wahrnimmt.
00:30:57: Und da fand ich jetzt eigentlich die normale Katastrophe.
00:31:01: steht für mich einfach gerade sehr für die Jetztzeit.
00:31:04: Und das passt einfach zu meinen Arbeiten, die Naturkatastrophen zeigen.
00:31:08: Auch in einer gewissen Ästhetik.
00:31:10: Ja, ich bin Künstler, ich arbeite mit Bildern.
00:31:13: Auch ein Text über etwas sehr Negatives kann man gut und schlecht schön schreiben.
00:31:19: Und genau so kann man Bilder, glaubt.
00:31:21: Schön ist vielleicht auch der falsche Begriff, also man könnte ja auch mir vorwerfen, dass ich jetzt eine Katastrophe estätisiere oder verschöner.
00:31:29: Es geht mir gar nicht darum, da irgendeine, die zu verzieren oder irgendeine Estätisierung zu betreiben, in dem Sinne, dass ich die dekoriere.
00:31:38: Eigentlich geht es mir nur darum, die Estätik, die da sowieso drin ist, zu finden und zu zeigen.
00:31:43: Und der Waldbrand ist ein Normalzustand, den es schon immer gegeben hat.
00:31:48: Der ist ein wichtiger Teil der Wälder, sich teilweise selbst zu verjüngen.
00:31:51: In vielen Regionen ist Feuer manchmal auch sogar durch den Menschen gelegt.
00:31:55: Teil einer Kulturlandschaft, die inzwischen auch ihren Wert hat, dass dazu auch eine Ästhetik gehören kann.
00:32:02: Das war so ein bisschen schon ein Interesse von mir, das rauszufinden.
00:32:06: Aber nicht... meiner Ästhetik dem aufzustülpen.
00:32:09: Genauso auch nicht die Dramatik.
00:32:10: Also das macht genau die Presse.
00:32:11: Die Presse kommt irgendwo hin und die hat meistens schon eine Idee.
00:32:14: Die wollen jetzt gerne den verschmorten Teddybär im Vordergrund haben und das brennt nach Hause im Hintergrund.
00:32:19: Und das ist sozusagen was man bekommt.
00:32:21: Und genau den Fehler wollte ich nicht machen.
00:32:23: Ich bin da hingegangen und ich wollte einfach fühlen, was ich da fühle und dafür Bilder finden und die da irgendwie rausholen.
00:32:30: Das ist auch was Schönes, was ich gefunden habe.
00:32:33: Feuer ist immer auch schön, egal wie dramatisch es ist.
00:32:36: Und wenn du die Beziehung zwischen Mensch und Natur in einem Satz zusammenfassen könntest, wie würdet erlauten?
00:32:43: Es gibt keine Beziehung zwischen Mensch und Natur.
00:32:46: Weil der Mensch Natur ist, also wir sind natürliche Wesen.
00:32:50: Wir sind hier vorgebracht worden von dem Leben auf unserem Planeten.
00:32:54: Wir wissen nicht, was auf anderen Planeten irgendwo anders passiert.
00:32:57: Das ist sozusagen im Dunkeln.
00:32:59: Deswegen wissen wir nicht, wie besonders das ist und wie das Geschenk des Lebens, was wir haben, wir wissen nicht, wie viel das eigentlich wert ist.
00:33:05: ist.
00:33:06: Und ich sehe, ich finde auch unsere Technologie, die wir entwickeln, sehe ich auch als Leben, auch als Natur.
00:33:12: Die Maschinen, die wir bauen, ist für mich auch Natur.
00:33:14: Und auch die künstliche Intelligenz, die wir gerade schöpfen.
00:33:18: Das ist für mich auch Natur oder auch Mensch.
00:33:20: Julius, vielen Dank.
00:33:21: War ein super Gespräch.
00:33:23: Die Ausstellung Normale Katastrophe ist noch bis zum achten März, um im Kunsthaus zu sehen.
00:33:29: Vielen Dank.
00:33:29: Vielen
00:33:29: Dank, war ein sehndes Gespräch.
00:33:31: Kunststoffe ist eine Produktion des Kunsthauses Wien, Moderation und Redaktion Irene Wolfram, Redaktion, Produktion und Regie Sarah Trepter,
00:33:40: Grafische Gestaltung Chin Chin,
00:33:42: Podcast-Jingle Dominic Grünager.
Neuer Kommentar